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Ratgeber · 27. Mai 2026

Wärmepumpe mit Photovoltaik: lohnt sich die Kombination?

Von Sina Benisi Geschäftsführung Renergion
Wohnhaus mit großer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach

Eigener Solarstrom für die Wärmepumpe klingt nach Unabhängigkeit vom Stromversorger. Die ehrliche Zahl: Übers Jahr deckt eine Photovoltaikanlage ohne Speicher etwa 25 Prozent, mit Batteriespeicher bis zu 40 Prozent des Wärmepumpen-Strombedarfs. Das Problem ist die Jahreszeit: Im Winter braucht die Wärmepumpe am meisten Strom, die PV-Anlage liefert dann am wenigsten. Trotzdem lohnt sich die Kombination oft, nur eben aus anderen Gründen als vollständiger Autarkie.

Wie viel Wärmepumpen-Strom deckt die Photovoltaik wirklich?

Rechnen Sie ehrlich, nicht mit dem Bestfall. Übers ganze Jahr gesehen deckt eine Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus etwa 25 Prozent des kombinierten Strombedarfs aus Haushalt und Wärmepumpe. Mit einem Batteriespeicher lässt sich dieser Anteil auf rund 40 Prozent steigern. Bezogen allein auf den Wärmepumpen-Strom nennen Fachquellen realistisch 30 bis 45 Prozent bei einer Anlage mit Speicher. Von echter Autarkie ist das weit entfernt, und wer Ihnen 70 oder 80 Prozent verspricht, meint meist die Eigenversorgung im Sommerhalbjahr, nicht das Jahr.

Der Grund ist einfach: Solarstrom entsteht dann, wenn die Sonne scheint. Ihr Haushalt und vor allem die Warmwasserbereitung können diesen Strom über den Tag nutzen, ein Speicher schiebt einen Teil in den Abend. Was übrig bleibt, geht ins Netz. Für die Wirtschaftlichkeit zählt am Ende Ihr Eigenverbrauch, also der Anteil Solarstrom, den Sie selbst nutzen, statt teuren Netzstrom zu kaufen.

Das Winterproblem: wenn die Wärmepumpe am meisten braucht

Hier liegt die eigentliche Schwäche der Kombination. In den Monaten November bis Februar erzeugt eine PV-Anlage nur etwa 10 bis 15 Prozent ihres Jahresertrags. Genau in dieser Zeit verbraucht die Wärmepumpe rund die Hälfte bis zwei Drittel ihres Jahresstroms, weil sie gegen die Kälte anheizt. Angebot und Nachfrage laufen also gegeneinander. Im Winter sollten Sie mit einer solaren Deckung von 20 bis 40 Prozent des Wärmepumpen-Stroms rechnen, im Hochwinter oft weniger. Den Löwenanteil kaufen Sie in dieser Zeit aus dem Netz.

Ein Batteriespeicher ändert daran wenig, weil er den Tag-Nacht-Ausgleich schafft, nicht den Ausgleich zwischen Sommer und Winter. Wer die Kombination allein mit Winter-Autarkie begründet, plant an der Physik vorbei. Der ehrliche Nutzen liegt im Sommerhalbjahr und über das ganze Jahr gerechnet in einer spürbar niedrigeren Stromrechnung.

Wie groß müssen PV-Anlage und Speicher sein?

Kommt zur Wärmepumpe eine PV-Anlage, darf sie größer ausfallen als für den reinen Haushaltsstrom. Als grobe Faustregeln gelten:

  • Anlagengröße: Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe sind 8 bis 12 kWp Leistung üblich. Als Anhaltspunkt rechnet man grob 1 kWp zusätzlich pro 1.000 Kilowattstunden Wärmepumpen-Strombedarf, oben drauf auf den Haushaltsbedarf.

  • Dachfläche: 1 kWp braucht etwa 5 Quadratmeter Dachfläche. Nutzen Sie das Dach möglichst voll aus, jedes zusätzliche Kilowatt kostet anteilig wenig.

  • Speicher: Als Richtwert wird oft rund 1 Kilowattstunde Speicher pro kWp genannt. Der Speicher rechnet sich vor allem über den Eigenverbrauch, nicht über den Winter.

  • Ausrichtung: Eine Ost-West-Belegung liefert über den Tag verteilter Strom als reines Süddach und passt oft besser zum Verbrauchsprofil eines Haushalts mit Wärmepumpe.

Wie viel Solarstrom Sie am Ende wirklich selbst nutzen, hängt von Ihrem Gebäude und Ihrem Verbrauch ab. Eine unabhängige Energieberatung berechnet das für Ihr Haus, statt mit Katalogwerten zu arbeiten.

SG-Ready: die Schnittstelle für das Zusammenspiel

Damit Wärmepumpe und PV-Anlage überhaupt sinnvoll zusammenarbeiten, brauchen sie eine gemeinsame Sprache. Die liefert die SG-Ready-Schnittstelle (Smart Grid Ready), ein herstellerübergreifender Standard, den die meisten aktuellen Wärmepumpen mitbringen. Über sie kann ein Energiemanager der Wärmepumpe signalisieren: Gerade gibt es Solarüberschuss, jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Heizen oder zum Aufheizen des Warmwasserspeichers. So verschiebt das System den Verbrauch in die sonnenreichen Stunden und hebt den Eigenverbrauch, ohne dass Sie eingreifen müssen. Achten Sie beim Kauf darauf, dass Wärmepumpe und Wechselrichter sich über SG-Ready oder ein offenes Protokoll ansprechen lassen.

Beispielrechnung: was bringt die Kombination?

Eine seriöse Rechnung beginnt mit den Kosten der PV-Anlage und dem, was Sie durch selbst genutzten Strom sparen. Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte für ein Einfamilienhaus; die genauen Zahlen für Photovoltaik finden Sie im Ratgeber Photovoltaik: Kosten pro kWp.

Position Richtwert
PV-Anlage 10 kWp, ohne Speicher 11.000 bis 15.000 Euro
Batteriespeicher 10 kWh (Aufpreis) 5.000 bis 8.000 Euro
Solar gedeckter Wärmepumpen-Strom übers Jahr 25 bis 40 %
davon im Winter 20 bis 40 %
Mehrwertsteuer auf die PV-Anlage 0 %

Grobe Richtwerte, Stand Juli 2026, regional unterschiedlich. Quellen: Verbraucherzentrale und Fachportale für Photovoltaik und Wärmepumpen. Seit 2023 gilt für private Wohngebäude-Anlagen 0 Prozent Mehrwertsteuer.

Ob sich der Batteriespeicher lohnt, ist eine eigene Frage: Er hebt den Eigenverbrauch, verlängert aber die Amortisation. Rechnen Sie beide Varianten durch, bevor Sie bestellen. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst die Wärmepumpe richtig dimensionieren, dann die PV-Anlage darauf abstimmen. Umgekehrt planen viele am Bedarf vorbei.

Welche Förderung gibt es für Wärmepumpe und Photovoltaik?

Die beiden Techniken werden völlig unterschiedlich gefördert. Die Wärmepumpe läuft über die KfW-Heizungsförderung 458: 30 Prozent Grundförderung, mit Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus bis zu 80 Prozent von maximal 28.000 Euro förderfähigen Kosten, also bis zu 22.400 Euro Zuschuss für ein selbstgenutztes Einfamilienhaus.

Die Photovoltaikanlage bekommt dagegen keinen Zuschuss aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Ihre Vorteile liegen woanders: 0 Prozent Mehrwertsteuer beim Kauf und die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für den Strom, den Sie ins Netz geben. Eine PV-Anlage rechnet sich also über eingesparten und eingespeisten Strom, nicht über einen Investitionszuschuss.

Häufige Fragen

Wie viel Strom der Wärmepumpe deckt eine Photovoltaikanlage ab?
Übers Jahr gerechnet deckt eine PV-Anlage ohne Speicher etwa 25 Prozent, mit Batteriespeicher bis zu 40 Prozent des kombinierten Strombedarfs aus Haushalt und Wärmepumpe. Bezogen allein auf den Wärmepumpen-Strom sind mit Speicher realistisch 30 bis 45 Prozent möglich. Im Winter liegt die solare Deckung deutlich niedriger.
Lohnt sich ein Batteriespeicher für die Wärmepumpe?
Der Speicher hebt den Eigenverbrauch und macht mehr Solarstrom für den Abend nutzbar. Das Winterproblem löst er aber nicht, weil er nur den Tag-Nacht-Ausgleich schafft, nicht den zwischen Sommer und Winter. Rechnen Sie die Amortisation mit und ohne Speicher durch, bevor Sie sich entscheiden.
Was ist die SG-Ready-Schnittstelle?
SG-Ready (Smart Grid Ready) ist ein herstellerübergreifender Standard, über den ein Energiemanager der Wärmepumpe signalisieren kann, wann Solarüberschuss vorliegt. Die Wärmepumpe verschiebt dann Heizen oder Warmwasserbereitung in die sonnenreichen Stunden und nutzt so mehr eigenen Strom.
Wie groß sollte die PV-Anlage bei einer Wärmepumpe sein?
Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe sind 8 bis 12 kWp üblich. Als grobe Faustregel rechnet man etwa 1 kWp zusätzlich pro 1.000 Kilowattstunden Wärmepumpen-Strombedarf. Die genaue Größe hängt von Dachfläche, Ausrichtung und Verbrauch ab und gehört in eine individuelle Berechnung.

Quellen: prüfen Sie unsere Zahlen nach

Die Förderzahlen zur Wärmepumpe stammen von der KfW, die Angaben zu Ertrag und Eigenverbrauch von der Verbraucherzentrale und einschlägigen Fachportalen, abgerufen im Juli 2026. Verlassen Sie sich nicht auf uns: Prüfen Sie die Angaben gern selbst nach.